Geburtshilfe: Jetzt geht es um alternative Konzepte

Wertingen (bäs) - Nach der eindrucksvollen Großdemonstration vom vergangenen Samstag mit über 4000 Menschen setzen sich die Diskussionen um die geplante Stilllegung der Geburtshilfeabteilung am Wertinger Krankenhaus fort. Im Hintergrund laufen nicht nur Gespräche, sondern es wird auch um alternative Konzepte gerungen. Wie es jetzt konkret weitergeht, wollten wir von Landrat Leo Schrell, Wertingens Bürgermeister Willy Lehmeier, Chefarzt am Wertinger Krankhaus, Dr. Wolfgang Streifinger sowie von Hermann Buhl vom Förderkreis wissen.

457381_0_org_07896816_333"Wir warten erst einmal ab, wie unser Landrat reagiert", sagte Hermann Buhl in einer ersten Stellungnahme. Die Demonstration sei ein großer Erfolg gewesen. "Wir sind begeistert vom Zuspruch der Bevölkerung." Bedauerlich sei, dass Leo Schrell trotz persönlicher Einladung nicht gekommen ist.

Keinen Kontakt mit dem Landrat hatte bislang auch Bürgermeister Willy Lehmeier, denn das emotionale Ereignis vom Wochenende müsse erst verdaut werden. "Die Demo hat mich schon sehr berührt", gibt Lehmeier zu. Denn von solch einer Resonanz habe niemand vom Förderkreis zu träumen gewagt. "Meistens sitzt man alleine oder in kleinen Gruppen, um Probleme zu erörtern." Auch, wenn jetzt eine gewisse Leere nach Tagen voller Vorbereitungen und jenem ereignisreichen Samstag eingetreten sei, gehe die Arbeit erst richtig los. Lehmeier: "Wir arbeiten im Moment zusammen mit den Gynäkologen ein tragfähiges Konzept aus." Spätestens in einer Woche solle das Alternativpapier dem Landrat vorgelegt werden. Klar sei, dass in einer konzertierten Aktion eine neue Trägerschaft für die Geburtshilfe gefunden werden müsse, so Lehmeier. "Ich bin diesbezüglich guter Dinge."

Betroffen zeigte sich Landrat Leo Schrell über die massiven Reaktionen im Zusamtal zur Schließung der Geburtshilfe im Krankenhaus Wertingen. In einer Pressemitteilung des Landratsamtes Dillingen heißt es: Besonders berührt hätten ihn die Vorwürfe, er würde gegen die Interessen der Menschen handeln und den Anfang vom Ende des Krankenhauses Wertingen betreiben. Er könne auch die Emotionen der Menschen wegen der Schließung sehr gut verstehen. Dennoch bitte er zu berücksichtigen, dass das Gesamtkonzept zu einer Optimierung der stationären medizinischen Versorgung im Landkreis führte und auch das Wertinger Haus deutlich stärke. In den nahezu vier Jahren seit seinem Amtsantritt als Landrat habe er mit vielen anderen verantwortlichen Personen und Experten intensiv gearbeitet, um die ursprünglich befürchtete Schließung des Krankenhauses Wertingen zu verhindern. Auch den Verkauf der beiden Kliniken in Dillingen und Wertingen habe er stets entschlossen von sich gewiesen. Weiter verteidigt er darin die Lösung, die für die Zukunft des Hauses gefunden worden sei. "Alles andere wäre naiv und verantwortungslos gewesen", so Schrell weiter. "Ich fühle mich den Menschen im Zusamtal und der Region allein schon aus meiner früheren Tätigkeit in besonderer Weise verbunden und bin letztendlich dem gesamten Landkreis verpflichtet."

Dem Konzept zur strukturellen Weiterentwicklung beider Krankenhäuser habe der Kreistag am 19. Oktober 2007 mit großer Mehrheit zugestimmt und dem Aufsichtsrat damit den Auftrag erteilt, die notwendigen Maßnahmen umzusetzen. Offenbar seien sich die Entscheidungsträger über das Ziel, aber nicht über den Weg zum Ziel einig.

Zwei zentrale Botschaften sind der Pressemitteilung zu entnehmen:

l Im Herbst 2008 wird mit der Teil-Neubaumaßnahme begonnen

l Babys können auch künftig in Wertingen zur Welt kommen. Verzögert wurde die Baumaßnahme durch die Planungsunterlagen, die dem Ministerium zur Genehmigung vorzulegen sind. Außerdem stehe keine sofortige Schließung der Geburtshilfe zur Diskussion. Während der Bauphase bleibe Zeit, über Einzelheiten mit der Stadt und dem Förderverein bezüglich eines Geburtshauses zu reden.

Chefarzt Dr. Streifinger berichtete von der guten Stimmung, die sich seit der Demo im Wertinger Krankenhaus breit macht. "Die Mitarbeiter sind angetan vom Zuspruch der Bevölkerung." Trotzdem fühlt sich Streifinger zwiegespalten. Es ist das Wissen um die gesetzlichen Vorgaben, die die Krankenhäuser beuteln. Die Wirtschaftlichkeit spiele bei weitem nicht die Rolle wie Gesetze, die in den nächsten Jahren die Krankenhäuser zu zerschlagen drohen. "Das Bundesgesundheitsministerium legt uns Daumenschrauben an - Vorgaben von Mindestmengen, Zertifizierungen und Haftpflichtversicherungen." Seit Januar sitzt Streifinger im so genannten Lenkungsausschuss, einem Gremium der gGmbH, das Konzepte für die Kreiskliniken erarbeiten soll. Hier sollten noch einmal Gespräche stattfinden, meinte Streifinger, denn "vielleicht gibt es doch eine Möglichkeit, die bisher nicht gesehen wurde."