Über 4000 Menschen kämpfen leidenschaftlich für die Geburtshilfe in Wertingen


Von Bärbel Schoen

Wertingen Der vergangene Samstag wird wohl in die Geschichte Wertingens eingehen: Weit über 4000 Menschen aus der Region waren dem Aufruf des Fördervereins gefolgt, den Willen für den Erhalt der Geburtshilfestation am Wertinger Krankenhaus zu demonstrieren. So viele wie noch nie in der Vergangenheit.

Seit der angekündigten Schließung der Station, die der Aufsichtsrat in Dillingen vor kurzem beschlossen hat, schwappt eine Welle der Solidarität mit dem Krankenhaus über das gesamte Zusamtal, die ihren Höhepunkt am vergangenen Samstag fand. Jung und Alt, Frauen, Männer und Kinder - viele hatten sich mit Trillerpfeifen, Glocken, Spruchbändern und Plakaten gerüstet. Es sollte eine eindeutige Abstimmung mit Füßen werden. Der Anblick der bunten Menschenmasse auf dem Marktplatz war äußerst beeindruckend. Und auch als sich der nicht enden wollende Demonstrationszug auf den Weg machte über den Ebersberg hinauf zum Krankenhaus, war der Eindruck überwältigend. Bürgermeister aus der Nachbarschaft zogen genauso mit wie Ärzte, Schwestern, Hebammen, Vereine und kirchliche Verbände. Dicht gedrängt verfolgten die Menschen dann vor dem Krankenhaus die Kundgebung. Die Redner fuhren schwere Geschütze auf, vor allem gegen Landrat Leo Schrell und den Geschäftsführer der Kreiskliniken gGmbH, Hans-Peter Maier.

"Wir haben die Nase voll von der politischen Willkür und Arroganz", wetterte der Vorsitzende des Fördervereins, Dieter Romakowski. Und er nannte offen Ross und Reiter, die für die Situation verantwortlich sind. "Maier ist unser Totengräber." Landrat Leo Schrell ignoriere bislang 6000 Unterschriften. "Das muss jedem Demokraten die Röte ins Gesicht treiben". Wie sehr Romakowski den Demonstranten aus der Seele sprach, wurde durch lautstarken Beifall deutlich. Ottilie Probst, die Betriebsratsvorsitzende, zeigte sich überwältigt von der Solidarität der Bürger. Dies sei endlich eine Bestätigung der guten Arbeit des Klinikpersonals. Mit konstruktiven Vorschlägen zum Erhalt der Geburtshilfe und der Stärkung des Krankenhauses erhielt Bürgermeister Willy Lehmeier große Zustimmung. Die Stadt wolle sich finanziell am Defizit und an den Kosten für den Teil-Neubau beteiligen. "Der Neubau muss im Herbst kommen." Für die Geburtshilfe gäbe es auch andere Lösungen. Sein Appell an den Landrat: "Bleiben sie mit uns im Gespräch... fair und offen", wurde von den Demonstranten begrüßt.

Wer kann das Leben im Krankenhaus besser beschreiben als die Pfarrer Ludwig Michale und Johannes Schuster, die Menschen von ihrer Geburt bis zum Tod begleiten. Neben der menschlichen Komponente spiele aber auch Geld eine wichtige Rolle. Nachbar-Kommunen müssten sich endlich beteiligen. Landtagsabgeordneter Georg Winter forderte vom Landkreis, "schnellstmöglich" die staatlichen Fördermittel für den Neubau abzurufen und das medizinische Angebot zu intensivieren. Das Gebot der Stunde laute, die Schließungspläne zu stoppen. Hermann Buhl vom Förderkreis drohte zum Schluss unter tosendem Beifall: "Wir kämpfen weiter, solange es nötig ist."