"Wir lassen uns die Geburtshilfe nicht wegnehmen"Von Günther Herdin Der Krankenhaus-Förderverein Wertingen besteht seit mehr als drei Jahren und hat über 1 000 Mitglieder. Was sagen Sie als Repräsentanten des Vereins zur angekündigten Schließung der Geburtshilfe in Wertingen? Dieter Romakowski "Ich bin lange Jahre Geschäftsmann und weiß, dass man Kunden verliert, wenn man diesen ein Angebot entzieht. Die Schließung der Geburtshilfe in Wertingen ist nichts anderes als ein Angebotsverlust. Das kann weder durch eine Geriatrie noch durch den Ausbau der Kardiologie wettgemacht werden." Hermann Buhl "Diese Entscheidung des Aufsichtsrats der Kreiskliniken GmbH ist ein gravierender Fehler. Geschäftsführer Hans-Peter Maier hat es nicht geschafft, vernünftige Lösungen vorzuschlagen. Für mich ist er der falsche Mann am Platz." Aber die Einrichtung einer Geriatrie und die Stärkung des Herz-Labors, das dann rund um die Uhr arbeitet, muss doch auch als Fortschritt gesehen werden. Buhl "Von wegen. Das sind zwei Versuchskaninchen, die früher oder später zugrunde gehen werden. Mit der Geburtshilfe nimmt man dem Wertinger Krankenhaus das Filetstück weg." Romakowski "Wer glaubt, dass die Geriatrie ein Ersatz für die Geburtshilfe ist, der hat keine Ahnung. Dort wo Entbindungen sind, spielt sich das Leben ab." Sehen Sie einen zeitlichen Zusammenhang zwischen den Kreistagswahlen und der Bekanntgabe der Schließung? Romakowski "Auf jeden Fall. Der zeitliche Ablauf war für mich vorprogrammiert. Hätte man vor dem 2. März das Ergebnis bekanntgegeben, wäre mancher Kreisrat nicht mehr gewählt worden. Ich vermute, dass Geschäftsführer Maier den Auftrag bekommen hat, das Wertinger Krankenhaus herunterzufahren. Wir sollen in Dillingen einfach nicht gut dastehen." Buhl: "Genau das ist der Punkt. Sollte die Geriatrie nicht laufen, und davon kann man ausgehen, dann sagt man in drei bis vier Jahren, es rentiert sich nicht. Und dann machen die das Krankenhaus ganz zu. Das hätte fatale Folgen für die gesamte Stadt Wertingen." Wie viele Gelder hat der Krankenhaus-Förderverein bisher zugeschossen, damit sich die Wertinger Klinik nicht zurückentwickelt? Buhl "Wir haben 60 000 Euro gesammelt, aber die wollen unser Geld doch gar nicht. Eine finanzielle Hilfe unsererseits wurde bereits mehrmals abgelehnt. Wir wären ohne weiteres in der Lage, ein eigenes Gutachten zu bezahlen. Aber die Verantwortlichen haben offenbar Sorge, dass da Zahlen rauskommen, die nicht gewollt sind." Romakowski "Wir haben noch keinen Cent bezahlt, das ist richtig. Ich glaube auch deshalb, weil Geschäftsführer Maier mit uns einfach nicht zusammenarbeiten will. Das ist bedauerlich." Es wäre also an der Zeit, dass Landrat Leo Schrell als Vorsitzender des Aufsichtsrats ein Machtwort spricht? Romakowski "Ja, das wäre notwendig. Doch ich habe meine Zweifel, ob er das will. Mehr möchte ich dazu nicht sagen." Buhl "Aber ich. Wie kann ein Landrat, der selbst im Zusamtal wohnt, mehr als 6 000 Unterschriften ignorieren. Dafür habe ich überhaupt kein Verständnis. Die Menschen, die auf Protestlisten unterschrieben haben, sind gegen eine Schließung der Geburtshilfe. Landrat Schrell wäre gut beraten, wenn er die Entscheidung rückgängig machen würde. Es gibt andere Möglichkeiten des Sparens." Das klingt nach einer Drohung und schreit nach dem St.-Florians-Prinzip. Buhl "Ja, das ist eine Drohung. Wir Zusamtaler lassen uns das nicht gefallen und werden für die Sache jetzt erst recht kämpfen. Wir lassen uns die Geburtshilfe nicht wegnehmen. Und wenn die Verantwortlichen im Landkreis Dillingen der Meinung sind, dass man sich nur eine Geburtshilfe an einem der beiden Krankenhäuser leisten kann, warum wird dann diese nicht in Wertingen eingerichtet? Anscheinend wenden auch die Dillinger das St.Florians-Prinzip an." Romakowski "Nicht nur der Krankenhaus-Förderverein muss in der Angelegenheit kämpfen, auch die Stadt Wertingen und allen voran Bürgermeister Willy Lehmeier müssen jetzt Tacheles reden. Es kann nicht sein, dass die Kommune mit für das Defizit aufkommt, in Entscheidungsprozessen aber nicht mit einbezogen wird.
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Wertingen Die Stimmung bei den Verantwortlichen des Krankenhaus-Fördervereins Wertingen ist seit einigen Tagen mehr als gereizt. Grund: die angekündigte Schließung der Geburtshilfe im Kreiskrankenhaus Wertingen. Im Gespräch mit unserer Zeitung machen der 1. Vorsitzende Dieter Romakowski sowie Hermann Buhl (3. Vorsitzender) deutlich, dass man jetzt mit allen Mitteln gegen die Schließung vorgehen werde.