"Viel Zuspruch aus der Bevölkerung"
Gesundheitswesen Neue Vorstandschaft des Krankenhaus-Fördervereins im WZ-Gespräch
Wertingen - Am 23. März 2005 wurde der Verein der Freunde des Krankenhauses Wertingen gegründet. Inzwischen gehören der Organisation 1260 Mitglieder an. Mit circa 50 000 Euro konnte der Verein dem "Patienten Krankenhaus" bereits einige finanzielle Spritzen verabreichen. Genesen ist aber das Gesundheitswesen im Landkreis Dillingen deswegen noch lange nicht. Welche Ziele der Krankenhaus-Förderverein unter der neuen Führung des Dreigestirns Rita Müller Brenner (1. Vorsitzende), Fritz Föste (2. Vorsitzender) und Rudi Rager (3. Vorsitzender) verfolgt, lesen Sie im folgenden Interview.
Die neue Vorstandschaft des Vereins der Freunde des Krankenhauses Wertingen ist seit Ende November 2008 im Amt. War es schwierig, in die Fußstapfen der Vorgänger Dieter Romakowski, Bruno Hempel und Hermann Buhl zu treten? Rita Müller-Brenner: "Unsere Vorgänger haben große Fußstapfen hinterlassen und sehr viel erreicht. Die eindrucksvolle Demonstration für den Erhalt der Geburtshilfe im vergangenen Jahr ist vielen Bürgern in Erinnerung und wirkt bis heute nach. Wir erfahren weiterhin viel Zuspruch und Unterstützung aus der Bevölkerung. Die Fortsetzung der erfolgreichen Arbeit unserer Vorgänger ist für uns Anspruch und Unterstützung zugleich." Wie sieht die Aufgabenverteilung im neuen dreiköpfigen Führungsteam aus. Wer macht was? Fritz Föste: "Wir arbeiten im Team. Zielsetzungen und Entscheidungen erfolgen gemeinsam. Die Arbeitsteilung bezieht sich aus zeitlichen Gründen ausschließlich auf die Wahrnehmung von Gesprächsterminen. Dabei geht es um den aktuellen Wissenserwerb, das fachspezifische Informationsgespräch mit Verantwortlichen der Klinik, Kommunen und Politik, die Vorbereitung von Image- und PR-Maßnahmen. Die fachliche Aufgabenverteilung werden wir nach Beendigung der Informationsgespräche vornehmen. Alle haben jedoch den gleichen Informationsstand. Unsere Mitglieder und Interessenten können daher jeden von uns direkt ansprechen. Wir beabsichtigen darüber hinaus, unsere Mitglieder über Aktivitäten und Entwicklungen schriftlich zu informieren. Der Internetauftritt wurde neu gestaltet und wird in Kürze wieder zur Verfügung stehen. Ansprechpartner für die Presse ist der Geschäftsführer Willy Lehmeier, zugleich auch Bürgermeister der Stadt Wertingen."
Eine Verdoppelung des Defizits im Jahr 2008 innerhalb der Kreiskliniken gGmbH Dillingen-Wertingen hat zuletzt für Aufregung bei Kommunalpolitikern und Ärzten gesorgt. Wie bewertet der Förderverein Wertingen die aufgetretene finanzielle Schieflage, und welche Vorschläge gibt es, die Situation besser in den Griff zu bekommen? Rudi Rager: "Die Verantwortung für das Defizit wurde inzwischen durch Geschäftsleitung und Aufsichtsrat übernommen und mit einmaligen Kosten für Umstrukturierungsmaßnahmen begründet. Diese Maßnahmen müssen nun bei Erlösen und Kosten wirkungsvoll greifen, damit die angestrebten medizinischen und wirtschaftlichen Ziele erreicht werden. Dazu ist eine absolute zeitnahe Kostentransparenz für die Kostenstellenverantwortlichen erforderlich. Das Thema Kosten und Erlöse erfordert höchste Sensibilität. Erfolgsmeldungen über die ersten Monate dieses Jahres sollten schnell mit Zahlen belegt werden können, die dann den Kontrollorganen eine eigene Bewertung ermöglichen." Vor einem Jahr stand die Geburtshilfe in der Wertinger Klinik auf der Kippe. Eine Demo mit mehr als 4000 Menschen hat die politisch Verantwortlichen zum Umdenken gebracht. Die Geburtshilfe besteht noch immer und kann auf erfreuliche Zahlen verweisen. Durch welche Aktivitäten macht der Förderverein den werdenden Müttern in der Region eine Entbindung im Wertinger Krankenhaus schmackhaft? Rita Müller-Brenner "Mit Herrn Professor Dr. Johannes Heidenreich hat ein anerkannter und erfahrener Gynäkologe die Gynäkologie und Geburtshilfe übernommen, der klare Zielvorstellungen hat und auf ein qualifiziertes und eingespieltes Team von Schwestern und Hebammen bauen kann. Werdende Mütter erwartet nicht nur eine hochwertige medizinische Versorgung, sondern auch eine individuelle persönliche Betreuung in angenehmer, fast privater Atmosphäre. Wie im letzten Jahr kann die Geburtshilfe auch in diesem Jahr wieder auf die besondere Unterstützung des Vereines bei der Umsetzung individueller Wünsche und Maßnahmen zählen."
Obwohl das Krankenhauswesen im Landkreis Dillingen mit den beiden Häusern in Dillingen und Wertingen als Einheit gilt, hat man mitunter den Eindruck, dass sowohl bei Politikern als auch bei Ärzten mitunter ein gewisses Kirchturmdenken vorhanden ist. Was ist zu tun, damit dieses Image in Zukunft abgelegt werden kann? Fritz Föste: "Die Kreiskliniken Dillingen Wertingen müssen sich an ihrem Auftrag orientieren und über die gesamte Leistungsbreite geschlossen auftreten. Die Information Klinik aktuell ist ein richtiger Schritt. Die personellen Veränderungen sind Chancen, Gräben zu überwinden, solidarisch füreinander einzutreten, das WIR-Gefühl zu leben und zu einer echten Zusammenarbeit zu kommen. Die Ausrichtung auf das gemeinsame Ziel, dem Patient eine umfassende, hochwertige und ortsnahe Versorgung zu bieten, ist das Gebot der Stunde." Die medizinischen Leistungen im Wertinger Krankenhaus werden von vielen Patienten sehr gelobt. Die Unruhe im Verwaltungsbereich mit der Kündigung von Geschäftsführer Hans-Peter Maier hingegen wird kritisiert. Was ist zu tun, damit hier Ruhe einkehrt? Rudi Rager: "Der Wechsel in der Geschäftsleitung eröffnet ebenfalls neue Chancen. Wichtig ist, dass die neue Geschäftsführung das Heft schnell fest in der Hand hält, das Vertrauen und die Unterstützung der Belegschaft gewinnt und endlich wieder Ruhe einkehrt. Dazu muss freilich die gesamte Belegschaft beitragen. Der Patient will spüren und vertraut darauf, dass seine Genesung im Mittelpunkt aller Bemühungen steht."
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